†
Der Gayal †
Ines Binnemann &
Oliver Baglieri

Kurzbeschreibung:
"Ein Vampir
auf der Flucht vor seinem Verfolger – doch über beiden liegt ein dunkles
Geheimnis. Eine alte Legende zieht sie in ihren Bann, und sie geraten in einen
Strudel verhängnisvoller Ereignisse. – In der besten Tradition gothischer
Schauerromane gelingt es den Autoren, die Leser mit einer ungewöhnlichen
Verfolgungsjagd zu fesseln, deren überraschende Wendungen die Spannung fast
ins Unerträgliche steigern"
Gerald Axelrod
Der erste Roman der Bibas, die mit Titeln
wie Inmitten der Stille und ihrer anerkennenswerten fotographischen Arbeit zu
einer festen Größe der Gothic-Szene geworden sind, ist ein Kleinod der dunklen
Literatur.
Angesiedelt im ausklingenden 19. Jahrhundert nimmt der Gayal mittels zweier
paralleler Haupthandlungsstränge das Thema Vampirroman, um es mit neuen Eindrücken
und Empfindungen zu schmücken, ohne dabei historische Authentizität oder
einige klassische Bestandteile dieser Literaturform vermissen zu lassen.
Homepage: www.biba.restinpeace.de
Das Buch ist zu kaufen auf www.ubooks.de
Auszug:
"Langsam öffne ich meine Augen. Mein Blick fällt
auf die kalte, nasse, modrige Decke. Das zarte Wasser windet sich und bald
habe ich das Gefühl, dass sich ein Gesicht an der Decke formt.
Klitternd spiegelt sich der Kerzenschein meiner einzigen
Wärmequelle in diesem Gewirr von winzigen Wasserfäden, die sich wie ein
Wunder an der Decke entlang schlängeln. Ich schließe noch einmal meine Augen
und wende so den Blick von der Faszination dieses kleinen, aber wunderbaren
Schauspiels ab; langsam setze ich mich auf. Meine Blicke schwirren durch meine
Nachtstätte und bleiben an der kleinen winzigen Flamme hängen. Ich lege
meine Hände um sie, forme sie zu einer Kuel und allmählich spüre ich, wie
die Wärme durch meine dünne Haut dringt. Meine Hände sind eiskalt, ebenso
wie mein Geist. Schleppend kommen die Erinnerungen wieder, und ich erinnere
mich an ihn, wie er mich wieder einmal an einen dieser öden Zufluchtsorte
jagt, an welchen ich am Tage Schutz vor Sonne suchen muss.
Wohltuend kriecht die Wärme der kleinen Flamme durch
meine Hände - und ich genieße es. Meine Finger entspannen sich langsam,
während ich in die Flamme starre, gerade so, als ob ich sie beschwören
könnte.
Immer noch vom Schlaf betäubt, puste ich die Kerze aus.
Wie in Trance stecke ich den kleinen Wachsstumpen in die Tasche, erhebe mich
und suche alle meine bescheidenen Habseligkeiten zusammen, um sie mit einem
Tuch zu bedecken. Dann verlasse ich meine karge Behausung.
Die Luft ist frisch, kalt und feucht, meine Gedanken
werden klarer. Schon kreist sein Gesicht vor mir und ich frage mich, wie er es
nur schafft, mich immer wieder zu finden. Egal was ich auch mache, er ist da.
Es scheint keinen Winkel auf dieser Erde mehr zu geben, den dieser ehrgeizige
alte Herr nicht schon längst erkundet hat.
Noch bevor sich meine Augen für den letzten Tag
geschlossen haben, beschließe ich zu Fernando zu reisen. Doch weiß ich
nicht, ob es gut ist, mich auf den Weg zu ihm zu machen. Aber es bleibt mir
keine andere Möglichkeit, als seine Zuflucht und seinen guten Rat zu suchen.
Niemand, nein noch niemand hat mich so sehr gereizt, gehetzt und den Nerv
geraubt, iwe Witheman. Es fasziniert mich geradezu, mit welcher Energie er an
das Werk geht, mich in den Tod zu jagen. Mit der Zeit, der stetigen Hetze und
dieser Erschöpfung, welche sich mir Nacht für Nacht darbietet, weiß ich
nicht, ob ich den Spieß nicht doch noch umdrehen werde. Vor langer Zeit
schwor ich mir, mich eines Tages zu rächen, für das was er mir antat. Ich
schwor mir, er wird dabei leiden, wie kein anderer Mensch zuvor. Ja, ich
hasste ihn, allein der Gedanke an ihn brachte mich in rasende Wut. Er raubte
mir den Schlaf. Doch all das habe ich im Laufe dieser langen Zeit zu
akzeptieren gelernt. Aber nun, hier, heute und jetzt, kommen mir wieder diese
Gedanken, ihn zu töten. Bevor ich unüberlegt handle, werde ich Fernando
aufsuchen. Ich weiß, dass er mir helfen wird.
Es wird eine weite Reise werden. So begebe ich mich auf
den Weg.
Kein Zweifel, dass mich Whiteman auch in dieser Nacht
wieder suchen wird, und ich hier kaum mehr zur Ruhe finden werde.[...]